Ohrstab oder Kinnstütze? Nicht jeder Punkt braucht dieselbe Barriere

15. August 20264 Min. Lesezeitimaginginfection-controlworkflow
Illustration of a cephalometric X-ray unit highlighting the ear rods and bite block as barrier points, alongside dental barrier sleeve packaging.

Der Sensor bekommt eine Schutzhülle. Und alles andere, das das Gesicht der Patientin oder des Patienten berührt?

Fragt man eine Assistenzkraft, was vor einer Panorama- oder Fernröntgenaufnahme eine Schutzhülle braucht, ist der Sensor meist die erste – manchmal die einzige – Antwort. Doch eine Panoramaaufnahme oder ein Ceph-Bild bringt die Patientin oder den Patienten mit mehreren weiteren Oberflächen in Kontakt: der Kinnstütze, dem Bissblock, den Kopfpositionierungshilfen und, bei einem Kephalostat, den Ohrstäben, die an den Gehörgängen anliegen. Herstellerdokumentation und veröffentlichte Hygieneleitlinien behandeln diese Kontaktpunkte unterschiedlich – und zu wissen, welcher welcher ist, entscheidet darüber, was tatsächlich abgedeckt und was nur abgewischt werden muss.

Nicht jeder Kontaktpunkt wird gleich behandelt

Ein 2020 im Fachjournal Oral Radiology veröffentlichter Hygiene-Review zu zahnärztlichen Röntgenverfahren teilt Panorama- und DVT-Zubehörteile in zwei Kategorien ein. Kinnstütze, Handgriffe, Kopfpositionierungshilfen, Fernbedienung und Bedienfeld gelten als unkritische Gegenstände, da sie nur intakte Haut berühren. Für diese empfiehlt die Leitlinie eine Barriereabdeckung mit Kunststofffolie, die nach jeder Patientin bzw. jedem Patienten gewechselt wird, sowie eine tägliche Desinfektion mit einem Mitteldesinfektionsmittel und zusätzlich bei sichtbarer Kontamination.

Der Bissblock wird anders behandelt. Er gilt als semikritisch, da er Schleimhaut berührt, und der Review hält fest, dass er "entweder mit einer Einweghülle abgedeckt oder nach jeder Patientennutzung sterilisiert werden muss". Der DVT-Abschnitt desselben Reviews wiederholt diese Anweisung ausdrücklich für DVT-Bissblöcke: Barriereschutz anwenden und Einweg-Bissblöcke verwenden, wenn Barriereschutz oder Sterilisation nicht praktikabel sind.

Diese Zweiteilung – Folie-und-Wischen für Hautkontakt, Hülle-oder-Sterilisation für Schleimhautkontakt – geht im hektischen Praxisalltag leicht unter, wo "Sensor abdecken" still und leise zur gesamten gedanklichen Checkliste wird.

Was das Servicehandbuch eines Herstellers zu Ohrstäben sagt

Speziell für Fernröntgeneinheiten ist die Zubehör-Reinigungsdokumentation von Carestream Dental eindeutig. Ohrstäbe "müssen" vor jeder Patientin bzw. jedem Patienten mit einer FDA-zugelassenen oder CE-gekennzeichneten Schutzhülle abgedeckt werden, und nachdem die Hülle entfernt wurde, muss der Ohrstab selbst zusätzlich mit einem Mitteldesinfektionsmittel mit tuberkulozider Wirkung gereinigt und desinfiziert werden. Dasselbe Handbuch gibt für Panorama-Bissblöcke dieselbe Anweisung: eine Schutzhülle vor jeder Patientennutzung, zusätzlich zur regelmäßigen Dampfsterilisation bei 132 °C für 4 Minuten oder 134 °C für 18 Minuten, je nach lokalen Vorgaben.

Kinnstützen bekommen in derselben Dokumentation eine leichtere Routine – Reinigung mit einer enzymatischen Reinigungslösung, gefolgt von einem Desinfektionsmittel niedriger Stufe, das nur bei sichtbarer Blutkontamination auf ein Mitteldesinfektionsmittel angehoben wird.

Mit anderen Worten: Die eigenen Herstelleranweisungen heben Ohrstäbe und Bissblöcke als die Teile hervor, die bei jeder einzelnen Nutzung eine physische Barriere brauchen – nicht nur ein Desinfektionstuch am Ende der Sitzung.

Eine Checkliste für den Montagmorgen

  • Ohrstäbe an jedem Kephalostat – vor jeder Ceph-Aufnahme eine neue Hülle, nicht nur ein Wisch mit Desinfektionsmittel.
  • Panorama- und DVT-Bissblöcke – dieselbe Regel gilt: eine Hülle pro Patientin bzw. Patient, zusätzlich zur Dampfsterilisation im regulären Reinigungszyklus.
  • Kinnstützen, Kopfpositionierungshilfen, Bedienfelder – diese können gemäß der Einstufung als unkritisch Wischprodukte bleiben, solange der Wischvorgang tatsächlich zwischen jeder Patientennutzung erfolgt und nicht übersprungen wird, weil das Gerät "sauber aussieht".

Ein separat veröffentlichter Fachartikel zu Desinfektion und Asepsis bei Röntgenverfahren macht einen verwandten Punkt zu Barrieren im Allgemeinen: Ist eine Barriere angebracht und bleibt sie intakt, braucht die darunterliegende Fläche keinen separaten Desinfektionsschritt, weil die Barriere diese Aufgabe übernimmt. Diese Logik gilt jedoch nur, wenn die Barriere für die nächste Patientin bzw. den nächsten Patienten auch tatsächlich ersetzt wird – genau der Schritt, der übersehen wird, wenn es sich um ein Zubehörteil wie einen Ohrstab handelt, das niemand so recht als "Bildgebungsgerät" wahrnimmt wie einen Sensor.

Wo das in die Beschaffung gehört, nicht nur ins Protokoll

Nichts davon erfordert neue Geräte oder einen zusätzlichen Sterilisationszyklus. Es ist eine Frage der Beschaffung und der Gewohnheit. Liegen für einen Kephalostat keine Ohrstab-Schutzhüllen im Raum bereit, wird der Schritt unter Zeitdruck übersprungen. Sind die DVT-Bissblockhüllen in derselben Box wie die Panorama-Hüllen gelagert und passen die Größen nicht ganz, greift das Team eher zum blanken Panorama-Bissblock "nur dieses eine Mal", statt die passende Hülle zu suchen. Wer für jedes Zubehörteil die passende Hülle vorrätig hält – Ohrstäbe getrennt von Panorama-Bissblöcken, getrennt vom größeren DVT-Bissblock – nimmt die Ausrede, dass die richtige Größe nicht im Regal war.

Quellen

  1. Cleaning and Disinfecting the Accessories — Carestream Dental, 2026-08-15
  2. Dental radiographic procedures during COVID-19 outbreak and normalization period: recommendations on infection control — Oral Radiology (Springer, via PMC), 2026-08-15
  3. Best Practices for Disinfection and Asepsis in Radiographic Procedures — Dimensions of Dental Hygiene, 2026-08-15

Produkte aus diesem Beitrag

Alles unten ist auf Lager und wird EU-weit versandt.

Dental Cephalometric X-Ray Sleeves
Dental Cephalometric X-Ray Sleeves

Carestreams eigenes Servicehandbuch verlangt vor jeder Patientin bzw. jedem Patienten eine neue Hülle für die Ohrstäbe des Kephalostaten — genau dafür ist dieses Produkt bemessen.

29,90 €
Dental X-Ray Bite Block Sleeves
Dental X-Ray Bite Block Sleeves

Panorama-Bissblöcke erhalten in der Herstellerdokumentation dieselbe Anweisung wie Ohrstäbe: vor jeder Patientennutzung abdecken.

24,90 €